|

Gesamtwertung 91 %
In einer globalisierten Welt, in der die äußeren Merkmale von Gesellschaft, Menschen, Medien und vielen anderen Lebensumständen sich anzugleichen drohen, erlaubt die Verfilmung von literarischen Werken kulturelle Besonderheiten. „Du hast uns gezeigt, was gerechte Wut ist“ sagt am Ende des Films der Unternehmenseigner Yamoto zu seinem Schützling Kintaro. Diese im Film eher linkisch übersetzte Satz des Unternehmenseigners Yamoto, ausgesprochen gegenüber der Manga Figur des Kintaro vom Manga Autor Hitoshi Motomiya, widerspiegelt nicht nur den Generationenkonflikt in Japans Gesellschaft, nein er drückt auch das übergreifende Lebensgefühl beider Generationen gegenüber einer zunehmend formal empfundenen Uniformisierung durch alte Traditionen.
Studio / Verleih: Asian Film Network Genre: Action, Thriller System: DVD-Video Release: 15. Juli 2004
Der Film Ein junger Mann (Kintaro) versucht, sich beruflich zu etablieren. Wie in jeder Gesellschaft ist dieser Einstieg mit bestimmten Voraussetzungen, Traditionen, Ritualen und Verbindungen verknüpft. Die Manga Figur Kintaro stellt aber die geltenden Regeln auf den Kopf, um am Ende doch von allen geliebt zu werden. Hierbei wollen wir ihn ein wenig begleiten: Die Manga Figur geht zunächst auf Entwicklungen japanischer Comic Figuren zurück. Diese Figuren hatten die Aufgaben, ähnlich wie bei den Fabeln eines Lafontaines oder den Theaterstücken der Aufklärung, Dinge auszusprechen, die man im realen Leben nicht aussprechen würde.
Diese Figuren haben sich schnell hoher Beliebtheit erfreut, sodass andere Formate entwickelt wurden, abhängig von der Zielgruppe oder dem Medium (Print, TV, Kino, etc.). Motomiya hat diese lange Tradition schon vorher in seinen anderen Werken umgesetzt. Deshalb ist der vorliegende Film eine Weiterentwicklung oder besser Sublimierung der Manga Tradition.
Als allein erziehender Vater (Kintaro) lebt er in einer Damen Wohngemeinschaft aus Mutter (Kayo) und Tochter (Masumi), die wiederum tiefe Empfindungen für Kintaro selbst hat. Mutter Kayo und Tochter Masumi selbst wurden vom Vater verlassen und gehören auch zur der Gruppe der „Alleinerziehenden“. Gesellschaftlich gesehen gehören sie deshalb auch eher zur Randgruppe. Das hindert aber Kintaro nicht, die eigene Abenteuerlust und Integrität zu bewahren, die ihn immer wieder zum segensreichen Helfer der Menschheit werden lässt. Trotz beruflichem Stress findet er Zeit für seinen Sohn, und begleitet ihn zu Kinder eigenen Veranstaltungen. Als Mitarbeiter in seiner Firma verbindet er Leistungswillen und Respekt mit dem Willen zu einem respektvollen Umgang unter Kollegen und Vorgesetzten. Als sein Chef in der Filiale nach 8 Stunden Warten das Vorstellungsgespräch immer noch nicht wahrnimmt, fährt er den Chef an:“ Sie sind in erster Linie Mensch und dann mein Vorgesetzter“. Da der berufliche Einstieg von Kintaro in der Baubranche erfolgt, durchlebt er alles, was es an Machenschaften, Unerlaubtem, Gewalttätigen gibt. Mit seiner mangahaften Unerschrockenheit stellt er sich allen Herausforderungen, wird unterstützt, enttäuscht, halbtot geschlagen und greift am Ende zu einem bewährten Trick….
Das Bild Der Film lebt vom Dialog. Mit den Mitteln von Landschafts- oder Umgebungsaufnahmen wird kaum gearbeitet. Quasi ausschnittsweise, wie bei einem Puppentheater, werden die Szenen eingefangen. Keine spezielle Kameraführung, die Nähe oder Distanz, Bewegung oder Verharren im Verlauf der Dialoge bildlich akzentuiert. Es bleibt flach, man möchte fast sagen zweidimensional. Ebenso bleiben die Kontraste schwach und die Schärfe verschwimmt teilweise. Technisch kann man die Bewertung durch das nicht anamorph codierte Bild ergänzen. Als Verehrer des Manga Stoffes bleibt die persönliche Anmerkung, dass das Technische allerdings nicht ins Gewicht fällt. Das Bild im Letterbox Format reicht völlig aus.
Der Ton Die Dialoge sind relativ gut verständlich, wenn sie auch teilweise beim Abmischen nicht sauber mit den Umgebungsgeräuschen abgestimmt wurden. (Echo, teilweises Rauschen). Die Unterstützung für Heimkinoanlagen (Rear Speaker, Center, Subwoofer) und ihre Optionen (Dolby, Pro Logic, Subwoofer) muß aber mit der jeweiligen Anlage und den persönlichen Bedürfnissen gezielt abgestimmt werden. Der Pegel beispielsweise bei den Kampfszenen steigt überproportional. Der Autor setzt voraus, dass man das aber bei jedem DVD tut. Deshalb kann man sagen, dass den Filmemachern höchst subtil eine gekonnte, wenn auch sparsame Musikuntermalung gelungen ist. Der Manga Charakteristik hilft die musikalische Untermalung die Emotion des Zuschauers auf den Helden zu übertragen! Die Motorrad und Gangszenen werden unterstützt durch rock´n roll, sprich westliche Musik. Wenn es zwischenmenschlich intimer wird, kommt die beliebte Karaokemusik zum Tragen. Und manche Momente werden überhöht durch einen Mix aus Klassik und japanischer Musikkunstform.
Die Ausstattung Die gibt es kaum, außer AFN Trailers, mit denen der europäische Markt nicht viel anfangen kann. Ein wenig enttäuschend sind DVD Booklet und DVD Cover, weil die Aufmachung mir nicht zielgruppengerecht für den europäischen Markt erscheint. Weder wird eine Idee des Themas Manga Kult vermittelt noch die spannende Entwicklung eines ehemaligen Gang Boss zu einem „japanischen Robin Hood“. Das Produktmarketing AFN sollte sich für den internationalen Markt hier mehr Mühe geben. So ist zum Beispiel Rechtschreibung und Grammatik in den Booklets unbefriedigend. Das Menü ist einfach und beinhaltet keine Extravaganzen.
Fazit: Vom Vertriebsstandpunkt wird der Film unter dem Genre Action, teilweise Thriller zugeordnet. Natürlich wird dem Zuschauer dieses in bester DVD Manier angeboten. Der Autor möchte aber die Betonung auch auf das „Märchen“ setzen, Japanisches Manga, Comic, teils Fabel-haft, teil fabulös, ein wenig real und doch entrückt. Die zarten Töne und ein wenig Katharsis seien auf jeden Fall auch versprochen. Sehenswert!
Die Technische Daten Laufzeit: ca. 110 Min. Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Japanisch (Dolby Digital 2.0) Untertitel: Deutsch, Bildformat: Letterbox Regie: Takashi Miike. Darsteller: Katsunori Takahashi, Tsutomu Yamazaki, Kanako Enomoto, Michiko Hada, Naoki Hosaka, Toshiaki Megumi, Miki Mizuno, Yoko Saito FSK: DE ab 16 Jahren
Die Bewertung Film: 95 % Bild: 80 % Ton: 92 % Ausstattung: 90 % Gesamtwertung: 91 %
Wir bedanken uns herzlich bei AFN für die freundliche Unterstützung.
|