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Elephant PDF Drucken
Geschrieben von [AL]   
Samstag, 30. Oktober 2004

Gesamtwertung 86 %

Der Regisseur Gus van Sant hat bereits mit seinen Filmen „Good Will Hunting“ und „Finding Forrester“ bewiesen, dass er zu den talentiertesten Regisseuren im Filmbusiness zählt. Gus van Sant´s neuer Film heisst „Elephant“. Sein Film bekam bei den Filmfestspielen in Cannes 2003 die goldene Palme für den besten Film. Ausserdem erhielt van Sant in Cannes den Preis für die beste Regie. Ob wir uns diesen Entscheidungen anschliessen können? Wir haben uns „Elephant“ angeschaut.

Studio / Verleih: Kinowelt
Gerne: Drama
System: DVD-Video
Release: 16.11.04
Keine Jugendfreigabe !

Der Film
Ein scheinbar ganz normaler Schultag an einer amerikanischen High School: Weil der Schüler John sich um seinen alkoholsüchtigen Vater kümmern muss, kommt er wiederholt verspätet zum Unterricht. Die Folge ist, dass John ein Gespräch mit dem Direktor der Schule hat und und zur Strafe Nachsitzen muss. Acadia, eine Freundin von John interessiert sich für soziale Themen und besucht u.a. ein „Schwulen-Hetero Bündnistreffen“, das in der Schule stattfindet.

Elias ist ebenfalls mit John befreundet. Er interessiert sich für Fotographie und ist dabei eine Fotoserie zu machen. Elias fotografiert Menschen in alltäglichen Situationen. Der Mädchenschwarm Nathan ist mit Carrie zusammen. Sie sind ein verliebtes Paar. Ihre Beziehung wird von Brittany, Jordan und Nicole argwöhnisch beobachtet. Die drei Mädchen bilden eine Mädchenclique. Sie unterhalten sich gerne über Jungs und über geplante Shopping Touren. Nachdem Essen in der Mensa wird das Essen erstmal durch die „in-den-Hals-Fingersteck-Technik“ aus dem Magen befördert. Schliesslich will man ja keine Pfunde ansetzen oder die bereits angesetzen Pfunde nicht noch unnötig vermehren. :>

Michelle ist eine Aussenseiterin. Sie wird von Ihren Mitschülern nicht akzeptiert und gemobbt. Auch Eric und Alex sind Aussenseiter und werden von Ihren Schulkameraden gemobbt. Beide sind Aussenseiter an Ihrer Schule.

Doch an diesem Tag nehmen Eric und Alex an Ihren Mitschülern grausame Rache. Anstatt mit Schultaschen kommen Sie diesmal mit schweren Waffen in die Schule…

Gus van Sant hat seine Charaktere bis auf wenige Ausnahmen nur mit Laiendarstellern besetzt. Die Charaktere des Filmes werden uns im Episodenstil alá Quentin Tarantino vorgestellt. Wir haben einen kurzen Einblick in den Schulalltag dieser Schüler. Die Charaktere werden Szenenübergreifend dargestellt. Beispiel: In einem Gespräch zwischen zwei Jungen rennt ein Mädchen durch das Bild – später erleben wir die gleiche Szene aus der Sicht des rennenden Mädchens. Dann wird uns auch klar, warum es das Mädchen so eilig hat. 

Die Kameraführung ist hervorragend. Der Dokumentarstil des Filmes trägt zu einer sehr authentischen Atmosphäre bei.

Was mir persönlich fehlte ist ein Bezug von Eric und Alex zu Ihrem späteren Amoklauf. Da fehlt es mir einfach an Informationen. Eine homoerotische Beziehung zwischen den Jungen wird angedeuted, es wird jedoch nicht klar in welcher Beziehung die beiden Jungen letztendlich zueinander stehen. Ob sie mehr als Freunde sind wird nicht geklärt. Es wäre spannend gewesen die Hintergründe des Amoklaufes, bzw. die Entwicklung von Eric und Alex bis zu Ihrem Amoklauf zu erfahren. Allerdings kann dies dem Film auch zu Gute kommen, muss sich der Zuschauer doch selber Gedanken machen warum es zu diesem Amoklauf am Ende des Filmes kommt. Gus van Sant gibt uns in seinem Film nur Anhaltspunkte zur Begründung einer solchen Tat. Es ist trotzdem schade dass van Sant so wenig aus dem Alltag der späteren Amokläufer zeigt, ist Gus van Sant jemand der meisterhaft die Schicksale von Einzelgängern oder „besonderen Individuen“ (z.B. in Good Will Hunting, Finding Forrester u.a.) in Szene setzen kann.

Ansonsten hat mir der Film sehr gut gefallen.

Das der Film keine 16er Freigabe erhielt ist mir ein Rätsel. Die Szenen des Amoklaufes sind deutlich unblutiger als man zunächst wegen der hohen Alterseinstufung erwarten würde. Eine exzessive Gewaltdarstellung bleibt uns in „Elephant“ erspart. Ein Film von einer derartigen Qualität und Diskussionstauglichkeit sollte auf jeden Fall eine 16er Freigabe erhalten. Dies ist doch gerade jene Zielgruppe die von dem Film direkt angesprochen wird. Wenn Filme wie z.B. „Der Soldat James Ryan“ ab 16 Jahren freigegeben werden, kann die Entscheidung der FSK hier für „Elephant“ keine Jugendfreigabe zu geben, absolut nicht nachvollzogen werden!

Das Bild
Die Bildqualität ist sehr gut. Das Bild ist scharf und voller kräftiger Farben. Kein Rauschen und keinerlei Bildartefakte sind zu sehen.

Der Ton
Der Ton bietet eine sehr räumliche, aber unspektakuläre Kulisse. Angesichts des im Dokumentarfilm-Stil gedrehten Filmes reicht dies aber definitiv aus. Mehr Ton ist nicht nötig.

Die Ausstattung
-deutscher Kinotrailer
-„Elephant“ ein Kurzfilm von Alan Clarke (diente als Vorlage für den Film von Gus van Sant – ca. 38 Minuten)
-„Rolling Through Time“ – Impressionen vom „Elephant“ Drehort (ca. 12 Minuten)
-Interview mit Gus van Sant (ca. 15 Minuten)
-Trailer zu den Filmen „Hanni-Bi“, „Deep Blue“ & „Theo gegen den Rest der Welt“

Das Fazit
In Ahnlehnung an das Massaker von Littleton (am 20. April 1999 haben an der Columbine High School im amerikanischen Littleton, der 17-jährige Dylan Klebold und der 18-jährige Eric Harris zwölf Mitschüler und einen Lehrer erschossen) schildert der Film sehr real einen Amoklauf zweier Jugendliche an Ihrer Schule. Der Film verstört, da er nicht versucht zu erklären warum die beiden Jungen das Massaker an Ihrer Schule anrichten. Es werden jene Details gezeigt, die nach einer solchen Tat durch die Medien verbreitet werden: Dass die Täter Aussenseiter waren, dass die Täter häufig gewaltverherrlichende Medien konsumierten, dass es für die Täter nicht schwierig war, sich Waffen zu beschaffen.
Auch das Thema Schönheitswahn und Bulemie bei Mädchen findet in Gus van Sant´s Film eine kurze Erwähnung.

Die DVD bietet eine sehr gute Bildqualität, sowie eine ausreichende Tonqualität. Auch die Extras können sich auf jeden Fall sehen lassen. Für Freunde der originalen Tonfassung ist  es eventuell schade, dass es keine englischen Untertitel auf der DVD gibt.

Abgesehen davon gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung. 

Die technischen Daten
Produktion: HBO Films (2003)
Laufzeit: ca. 78 Minuten
Sprache: Dolby Digital 5.1 in Deutsch, Dolby Digital 5.1 in Englisch
Untertitel: deutsch
Bildformat: Widescreen 16:9 (anamorph)
Regie: Gus van Sant
Darsteller: John Robinson, Alex Frost, Elias McConnel, Eric Deulen, Nathan Tyson
FSK: keine Jugendfeigabe
Preis: 20.- Euro

Die Bewertung
Film:  90 %
Bild: 90 %
Ton:  80 %
Extras: 85 %
Gesamt: 86 %

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 28. Oktober 2004 )
 
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