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Roter Drache PDF Drucken
Geschrieben von [MBW]   
Freitag, 16. April 2004

Gesamtwertung 83 %

Nach den Erfolgen von "Das Schweigen der Lämmer" und "Hannibal" kehrt Sir Anthony Hopkins ein weiteres Mal als "Hannibal the Cannibal" auf die Leinwand zurück. Ob sich das Prequel auch auf DVD lohnt, verrät unser Review.

Studio/Verleih: Universal
Genre: Thriller
System: Video DVD
Release-Datum: Januar 2003

Der Film
Roter Drache ist das Prequel zu den beiden Hannibal Lecter-Filmen "Das Schweigen der Lämmer" und "Hannibal" und ist zeitlich somit noch vor dem "Schweigen der Lämmer" angesiedelt. Will Graham (Edward Norton) ist ein erfolgreicher Mitarbeiter des FBI und einem Serienkiller auf der Spur. Zur Unterstützung zieht er den Psychologen Dr. Hannibal Lecter (bereits zum dritten Mal: Anthony Hopkins) zu Rate, der ihm die nötigen Spuren liefern soll. Als Graham jedoch merkt, dass Lecter selbst der gesuchte Täter ist, kommt es zwischen den beiden zu einem Handgemenge, bei dem Graham schließlich Lecter doch noch überwältigen und verhaften kann.

Einige Jahre später - Will Graham hat sich nach Lecters Verhaftung aus dem FBI-Leben zurückgezogen - treibt erneut ein Serienkiller sein Unwesen und stellt das FBI vor ernsthafte Probleme. Die so genannte "Zahnfee" (Ralph Fiennes) mordet bei Vollmond ganze Familien, bisher zwei an der Zahl. FBI Chefermittler Jack Crawford (Harvey Keitel) holt in seiner Verzweiflung Graham aus seinem Ruhestand zurück, da er zum einen glaubt, dass nur dieser die Zahnfee schnappen kann, und zum anderen darauf aus ist, dass Graham mit dem inhaftierten Dr. Lecter zusammenarbeiten soll. Also begibt sich Graham wieder hinab in die psychologischen Wirrungen des Serienkillers und begibt sich auf die Spur der Zahnfee. Doch ihm bleiben nur knapp drei Wochen, den Fall zu lösen, denn der nächste Vollmond steht schon bevor. Seine Ermittlungen gefährden allerdings nicht nur sein eigenes Leben, sondern ziehen auch mehr und mehr seine Familie mit hinein, denn Lecter hat noch eine Rechnung mit Graham offen...

Roter Drache, Thomas Harris' erster Bestseller über den Kannibalen Hannibal Lecter, ist nicht nur wie bereits angesprochen das Prequel zu den beiden anderen Filmen, sondern zugleich auch ein Remake. Denn Michael Mann hatte diesen Stoff bereits vor Jahren weniger erfolgreich unter dem Titel "Manhunter" verfilmt.

Allerdings überbietet das Remake das Original allein schon durch die grandiose Besetzung. Edward Norton verkörpert den jungen Will Graham fast schon ähnlich genial wie Anthony Hopkins seinen Dr. Lecter - immerhin ja schon Hopkins' dritter Auftritt als kannibalistischer Serienkiller. Auch die weiteren Nebenrollen sind bis ins Detail hochkarätig besetzt, da sich solch Größen wie Harvey Keitel, Ralph Fiennes ("Der englische Patient"), Philipp Seymor Hoffman ("Magnolia") und nicht zuletzt Emily Watson ein Stelldichein geben.

Nichtsdestotrotz erreicht dann "Roter Drache" aber doch nicht die Qualitäten eines "Schweigen der Lämmer". Dafür ist die Fokussierung auf den eingesperrten Lecter einfach zu stark, ja, die eigentlichen Hauptstränge der Handlung werden von Hopkins Darstellung fast schon zur Belanglosigkeit degradiert. Dennoch gewinnt der Film mit zunehmender Laufzeit immer mehr an Spannung und wartet zum Ende sogar noch mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf.
Regisseur Brett Ratner ist ein solider Thriller gelungen, der durch seine Darstellerriege aber auch die Story durchaus überzeugen kann. Allerdings reicht er nicht an die Qualitäten von "Das Schweigen der Lämmer" oder auch "Hannibal" heran.

Das Bild
Das Bild zeigt sich eigentlich durchgehend in guter bis sehr guter Qualität. Schärfe und Farben können auf ganzer Linie überzeugen und hinterlassen einen sauberen Eindruck. Allerdings ist in einigen Szenen doch ein kräftigeres Rauschen und - was noch viel auffälliger ist - ein starkes Zeilenflimmer erkennbar. Bis auf diese recht selten auftretenden Mankos gefällt das Bild aber durchaus gut.

Der Ton
"Roter Drache" ist ein waschechter Thriller - da ist man versucht zu denken, dass sich beim Ton wohl nicht viel regen wird. Falsch gedacht. Der Ton liegt auf Deutsch sowohl in DD 5.1 als auch DTS vor, die englische Tonspur nur in DD 5.1. Der Ton klingt durchgehend sehr räumlich, was vor allem durch Danny Elfmans genialen Score erreicht wird. Der größte Teil des Film kommt dann auch ohne besonders erwähnenswerte Soundeffekte aus, die Stimmen kommen klar verständlich aus dem Center und die Stereofront ist gut abgedeckt, die Rears liefern nur Teile des Scores, der auch den Subwoofer immer wieder zu mächtigen Aktionen fordert. Gegen Ende des Films legt der Sound allerdings dann so richtig los: schön verteilte direktionale Effekte präsentieren das furiose Finale und hinterlassen einen exzellenten Eindruck. Für einen Thriller dieser Art ist der Ton mehr als gelungen und verdient sich somit locker ein "sehr gut".

Ausstattung
"Roter Drache" präsentiert sich wie schon die beiden anderen Lecter Filme als umfangreich ausgestattetes Doppel-DVD-Set. Was allerdings zunächst unangenehm auffällt ist die Verpackung. Statt eines schön gestalteten Digipacks wie bei den anderen beiden Sequels, bekam "Roter Drache" von Universal nur eine recht schmucklose Doppelamaray spendiert, der nicht einmal ein Booklet beiliegt. Schade. Das Bonusmaterial deckt dafür wieder so ziemlich alle Bereiche ab. Die Filmdisk bietet zwei verschiedene sehr informative Audiokommentare, einen vom Regisseur und seinem Drehbuchautor gesprochen, einen zweiten vom Komponisten Danny Elfman.

Informativ sind beide, zu empfehlen ist allerdings vor allem der von Danny Elfman, eigentlich gar keinen richtigen Audiokommentar liefert, sondern einen Music-Only-Track mit sehr informativen wenn auch spärlichen Informationen zur Entstehung und Funktion der Filmmusik. Das restliche Bonusmaterial findet sich dann auf Disk 2. Den Anfang macht hier ein Standart Making Of, das einige Informationen bietet - wenn auch nicht besonders viele. Des Weiteren findet man einige einzelne Featurettes, die sich zum Beispiel mit Anthony Hopkins und seinen Erfahrungen mit der Filmfigur Lecter beschäftigen ("Lecter und Ich"), einen echten FBI-Profiler zum Thema Serienkiller zu Wort kommen lassen ("Im Kopf eines Serienmörders") oder verschieden Bereiche der Entstehung wie z.B. die Schwierigkeiten beim brennenden Rollstuhl oder die digitale Nachbearbeitung erläutern.

Neben einigen geschnittenen und erweiterten Szenen gibt es dann auch noch ein "Videotagebuch", das Regisseur Brett Ratner bei seiner Arbeit intensiv begleitet hat und sehr interessante Hintergründe bietet. Abschließend findet sich dann neben dem obligatorischen Trailer und Teaser zu "Roter Drache" (beide im Originalton) und einem kurzen Teaser zum kommenden Blockbuster "Hulk" noch Brett Ratners erster Studentenfilm, der allerdings weniger interessant ist. Insgesamt ein umfangreiches und größtenteils interessantes Packet an Extras, die dem Film gerecht werden.

Fazit
"Roter Drache" ist ein spannender und stimmungsvoller Thriller mit Starbesetzung, der allerdings hinter seinen beiden Sequels "Das Schweigen der Lämmer" und "Hannibal" nur den dritten Platz einnimmt. Auf DVD präsentiert er sich in sehr guter technischer Qualität mit umfangreichem Bonusmaterial ausgestattet. Insgesamt rechtfertigt das einen Kauf durchaus, allerdings ist gerade für Sammler die Verpackungsstrategie von Universal nur schwer nachzuvollziehen und zu verzeihen.

Technische Daten
Laufzeit: 119 Minuten
Regie: Brett Ratner
Hauptdarsteller: Anthony Hopkins, Edward Norton, Harvey Keitel, Ralph Fiennes Bild: 2,31:1 (anamorph)
Audio:
1. Deutsch 5.1
2. Deutsch DTS
3. Englisch 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
FSK: 16
Preis: Ca. 25 Euro

Bewertung
Sound: 83
Bild: 82
Film:
80
Ausstattung: 86
Gesamt: 83

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 16. April 2004 )
 
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