Menu Content/Inhalt
Atanarjuat PDF Drucken
Geschrieben von [TG]   
Mittwoch, 29. März 2006
 

Gesamtwertung 90 %

Der Fluch eines unbekannten Schamanen zerstört das harmonische Gleichgewicht eines Dorfes in der kanadischen Arktis: Eifersucht, Hass, Rache und Machtgier regieren fortan das Zusammenleben der Inuit. Als sein Bruder ermordet wird, erfährt Atanarjuat, genannt der schnelle Läufer, am eigenen Leib, welche Macht von dem Fluch ausgeht. Er muss sich entscheiden: Soll er Rache nehmen oder den ewigen Kreislauf des Hasses durchbrechen?

Studio / Verleih: Igloolik Isuma Prod. & NFB / Sunfilm
Genre: Epos/Drama
System: 2x DVD-9
Release-Datum: 07.12.2005

Der Film
Da ist etwas faul im Städchen Dänemark - Das ist zwar von Shakespear, passt aber zu diesem Film außerordentlich gut. In einer Zeit, wo das Überleben der Gemeinschaft in der kanadischen Arktis von jedem Einzelnen abhängt, herrschen, seitdem das kleine Dorf von einem Fluch belegt wurde, zusehens Eifersucht, Hass, Rache und Machtgier. Der Konflikt im Dorf besteht darin, dass Oki, der Sohn des Stammesführers Sauri, Atuat, die Frau von Atanarjuat begehrt und ihr nachstellt, obwohl er sie in einem rituellen Kampf mit Atanarjuat verloren hat. Atanarjuat und dessen Bruder Amaqjuaq haben zudem eine kleine Fehde mit Okis Bande, somit sind Streit und Raufereien an der Tagesordnung. Die beiden Brüder mussen stets auf der Hut sein und auf einen Kampf um Leben und Tod vorbereitet sein. Eines Tages sieht Oki seine Chance, die Brüder umzubringen, als sie sich im Zelt schlafen legen. Die Bande stürmt aus Zelt, lässt es einstürzen und sticht mit Waffen in die Plane. Als Oki denkt, dass beide Tod sind, flieht Atanarjuat nackt und blitzschnell aus dem Zelt, Amaqjuaq ist tot. In einer langen und erbarmungslosen Jagt über das Eis und bei Minustemperaturen schafft er es, seinen Verfolgern mit einem Weitsprung zur nächsten Eisscholle zu entkommen: Nicht umsonst wird er der schnelle Läufer genannt. Diese Vorfolgungsjagt muss für den Schauspieler eine enorme Qual gewesen sein, Hut ab.

Nackt und auf sich alleine gestellt, rennt Atanarjuat weiter, er gibt nicht auf und gelangt mit viel Glück zu einem alten Ehepaar, das sich vom Stamm abgewendet hat. Sie verstecken und pflegen ihn gesund.

In Atanarjuats Abwesenheit geht es dem Dorf unter Oki, der seinen Vater aus Machtgier umbringt, immer schlechter. Seine Frau Atuat, aber glaubt nicht an Atanarjuats Tod und hofft, dass er bald wieder erscheint. Und tatsächlich kehrt er als er erneut bei Kräften ist mit dem Ehepaar zurück. Zur Bewunderung aller, zeigt sich Oki einsichtig und hegt keinen Groll gegen ihn mehr. Im Gegenteil, er freut sich und will dieses Wunder feiern. Atanarjuat geht darauf ein und bestellt Okis Bande zu seinem neu errichteten Iglu, wo er Essen für sie vorbereitet hat. Jetzt muss er sich entscheiden, ob er Rache nehmen oder den Fluch begraben will. Für was er sich entscheiden, seht selbst.

Das Bild
Angesichts der vielen Landschafts -und Naturaufnahmen hätte man an die Bildqualität mehr Wert legen können. So ist ein Aufkörnung des Bildes nicht wegzureden, es erscheint somit unsauber und weniger scharf. Auch die Farben kommen dadurch nicht voll zur Geltung. Zum Glück sind es die einzigen negativen Auffälligkeiten, die insgesamt gar nicht so schlimm sind. Auch muss man bedenken, unter welchen arktischen Bedingungen und Witterungen die Kameraleute und das Equipment zu leiden hatten. Von diesem Standpunkt gesehen muss man den Produzenten eher ein Kompliment aussprechen als zu viel Kritik anzubringen.

Der Ton
Die Dialoge versteht man akustisch sehr gut, da sie aber nicht auf deutsch sondern in der Sprache der Inuit sind gibt es deutsche Untertitel. Ich finde es mutig und gut, dass der Film völlig in der Originalsprache verfilmt wurde - Wann hat man schon die Möglichkeit, die Inuitsprache zu hören? Die Geräusche und Soundeffekte klingen etwas fad, kommen aber trotzdem angemessen rüber. Besonders hervorzuheben ist die Musik des Komponisten Chris Crilly, der zum Film einen mystischen und urtümlichen Sound produziert hat. Dieser prägt sich gut ein, ist wiederkehrend, manchmal laut manchmal leise, aber vor allem sehr für den Film zugeschnitten.

Die Ausstattung
Im Umfang der Collector's Edition sind zwei DVDs enthalten. Auf der ersten Disc befindet sich neben dem Hauptfilm eine kleine Trailershow und ein "Fact Track". Wählt man den an so bekommt man während des Filmes jede Menge an Informationen in Form von Untertiteln.

Auf der zweiten Disc gibt es jede Menge Zusatzmaterial:

Die Legende: Hierbei handelt es sich um Etappen der Geschichte. Man kann auf einer Karte die einzelnen Stationen von Atanarjuat zurückverfolgen und die Ereignisse nachlesen.

Weiterhin werden die Stammbäume von Atanarjuat und Oki aufgezeigt.

Das Produktionstagebuch erzählt einiges über die Dreharbeiten, die Schauspieler und die Produzenten, auch gibt es Kommentare zu bestimmten Szenen.

Das "Behind the Scenes" ist mit ca. 3 Minuten etwas knapp ausgefallen. Somit erfährt man nicht besonders viel über die Dreharbeiten.

Zu guter Letzt kann man sich eine ca. 2 min. Fotogalerie, die mit Gesang unterlegt ist, und den Originaltrailer ansehen.

Das DVD-Set wartet mit einem edlen Cover und einem kleinen Booklet auf, das als Wörterbuch fungiert und ein paar Wörter der Inuit ins Deutsche übersetzt. Trotz des relativ kurzen Filmmaterials kann man die Ausstattung als sehr reichlich und informativ bezeichnen.

Das Fazit
"Atanarjuat" ist der erste kanadische Spielfilm, der von Inuit geschrieben, produziert und inszeniert wurde. Viele der Schauspieler standen zum ersten Mal vor der Kamera, was man ihnen aber nicht anmerkt. Im Gegenteil, man fühlt sich in ihr Leben und die damalige Zeit zurückversetzt. Dass sehr viel Wert auf Authentizität und Details gelegt wurde, merkt man sofort. Regisseur Zacharias Kunuk ist selbst dem in der arktischen Tundra angesiedeltem Volk zugehörig. Somit vermag er dem Film Ursprünglichkeit und angemessene Ästhetik zu verleihen. "Atanarjuat" hat viele internationale Auszeichnungen erhalten, meiner Meinung nach zurecht.

Die Collector's Edition lohn sich vor allem für eben Sammler und Arktisbegeisterte, da man mehr Hintergründe zur Geschichte bekommt. Aber auch mit der normalen Ausgabe dürfte man von der Spieldauer von über 2,5 Stunden zufrieden sein.

Die technischen Daten
Ländercode 2
Land/Jahr: Kanada/2001
Laufzeit: 172 Minuten
Sprache: Dolby Digital 5.1
Untertitel: Originalfassung mit dt. Untertiteln
Bildformat: 16:9 (1:1,85)
Regie: Zacharias Kunuk
Musik: Chris Crilly
Darsteller: Natar Ungalaq, Sylvia Ivalu, Peter Henry Arnatsiaq, Lucy
Bulugarjuk, Madeline Ivalu
FSK: ab 12 Jahren
Preis: ca. 20 €

Die Bewertung
Film: 96
Bild: 82
Ton: 88
Extras: 95
Gesamt: 90

Letzte Aktualisierung ( Montag, 20. März 2006 )
 
< zurück   weiter >