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Gesamtwertung 85 %
War mein Großvater ein Nazi? In einem höchst intimen und persönlichen Rahmen dokumentiert GRIMME- Preisträger JENS SCHANZE die Suche nach einer verdrängten Vergangenheit und nach dem wahren Bild des Großvaters. Die Familie wird mit aufwühlenden Fragen konfrontiert und sechzig Jahre nach dem Krieg kommt eine hoch emotionale Auseinandersetzung zwischen den Generationen in Gang.
Studio / Verleih: JENS SCHANZE FILMPRODUKTION, HFF MüNCHEN / BR / 3SAT ZDF / Sunfilm Genre: Dokumentarfilm System: DVD-9 Release-Datum: 21.07.2006
Der Film Eine Spurensuche des Enkels nach der Vergangenheit des Großvaters, nach der Herkunft seiner Mutter und schlussendlich nach der eigenen Identität.
Die Verstrickungen des Großvaters in den Nationalsozialismus wurden innerhalb der Familie jahrzehntelang verheimlicht und verschwiegen. Doch die Entscheidung der Mutter, die kritische Beschäftigung mit der Person ihres Vaters zuzulassen, bringt unverhofft Bewegung in scheinbar festgefahrene Familienstrukturen.
Für alle Beteiligten beginnt eine aufwühlende und höchst emotionale Reise, an deren Ende die Hoffnung auf Erlösung für die gesamte Familie steht.
„Winterkinder – Die schweigende Generation“ erzählt ein Stück deutsche Gegenwart, indem der Film die Suche des Regisseurs, seiner Eltern und seiner Geschwister nach dem wahren Bild des Großvaters verfolgt und die dabei entstehende Auseinandersetzung zwischen der Kinder- und der Enkelgeneration dokumentiert. Mit großer Intensität widmet der Film sich der Frage, was die Erfahrungen der NS-Zeit sowie das Schweigen darüber mit dem Lebensgefühl der Kinder- und Enkelgeneration zu tun haben.
Das Bild Die Bilder schaffen eine angemessene Doku-Kulisse und vermitteln durch lange Nahaufnahmen der Sprecher immer die passende Atmosphäre. Die Kamera lässt die Sprecher sozusagen nicht aus dem Auge, als ob sie die Personen auffordern würde weiter zu erzählen, um ihnen alles zu entlocken. Das gelegentliche Rauschen und die eher dunkelen und wenig kontrastierten Farben stören nur geringfügig. Mit der Schärfe kann der Zuseher aber zufrieden sein.
Der Ton Wie beim Bild kann man dem Ton auch ein paar negative Aspekte zusprechen. Leichtes Hintergrundrauschen und Nebengeräusche sind deutlich hörbar, da sie manchmal stärker aus dem Hintergrund hervortreten. Von einem stets sauber abgemischten Ton kann ebenso nicht immer die Rede sein. Die Stimmen der Sprecher und deren Dialoge untereinander auf der anderen Seite sind immer gut hörbar und verständlich. Daher lässt sich behaupten, dass der Ton der Doku gerecht wird, auch wenn die Qualität insgesamt etwas schwächelt.
Die Ausstattung Ein zwölf minütiges Interview mit dem Regisseur Jens Schanze, sowie zwei geschnittene Szenen (ca. 8 Minuten) lassen sich im Extra-Menü finden. Darüber hinaus aber wird dem Zuschauer nur der Trailer zum Film und eine Vorstellung anderer DVDs geboten. Mit dem Inhalt wird man gerade so glücklich, etwas detailierter hätte die Ausstattung jedoch ausfallen können.
Das Fazit Die Erzählungen und Erinnerungen der Mutter an ihren Vater kommen anfangs sehr zögerlich, schüchtern und beklommen. Erst im Verlauf merkt man, dass sie die Scheu überwindet und dass längst Verdrängtes oder Vergessenes ans Tageslicht gelangt. Gerade das zeichnet den Film besonders aus. Er bleibt nah am Erzähler und vermittelt in beeindrückender Weise dessen Gefühle. Die Erforschung der eigenen Familiengeschichte bringt schliesslich unerwartete Ergebnisse hervor, indem die Familienmitglieder ihre Erinnerungen untereinander austauschen verschmelzen sie zu einer engeren Gemeinschaft. Ich fand es mutig von Jens Schanze, seine eigene Familie als Gegenstand für "Winterkinder" zu nehmen. Hätte er eine fremde Familiengeschichte erzählt, so wäre es ein viel unpersönlicher und gefühlloserer Film geworden, mit dem er sich wahrscheinlich nicht hätte identifizieren können. Vielleicht dient diese Doku als Anreiz für andere, über die eigene Familie Nachforschungen in Sachen NS-Zeit zu unternehmen. "Winterkinder"- Die Schweigende Generation" liefert dazu die gelungene Vorlage.
Die technischen Daten Ländercode frei Land/Jahr: Deutschland/2005 Laufzeit: 96 Minuten Sprache: Deutsch (Dolby Surround 2.0) Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte Bildformat: Widescreen 1,85:1 16:9 Regie: Jens Schanze Darsteller: Antonie Schanze, Horst Schanze, Kerstin Schanze, Bärbel Schanze, Annette Schanze, Andrea Schanze, Edith Lehmann, Janina Zalas FSK: ohne Altersbeschränkung Preis: ca. 15 €
Die Bewertung Film: 85 Bild: 91 Ton: 90 Extras: 75 Gesamt: 85 |